Market Integration Package (MIP): Was jetzt auf Finanzmarktakteure zukommt
Das Market Integration Package der Europäischen Kommission vom 4. Dezember 2025 ist ein zentraler Baustein der geplanten Savings and Investments Union und zielt auf eine tiefere Integration der EU‑Kapitalmärkte, mehr Effizienz und weniger Fragmentierung ab.
Kerninhalte des Pakets sind:
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Abbau von Hindernissen in Handel, Post‑Trading und Fondsvertrieb (u. a. Pan‑European Market Operator, erweiterte Passporting‑Möglichkeiten, Reform von MiFIR/CSDR).
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Stärkere Zentralisierung und Harmonisierung der Aufsicht, insbesondere durch neue direkte Aufsichtsbefugnisse der ESMA über zentrale Marktinfrastrukturen und CASPs.
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Anpassungen im Fonds‑ und Verwahrstellenrecht (UCITS/AIFMD, EU‑weiter Depositary‑Pass) zur Vereinheitlichung des grenzüberschreitenden Geschäfts.
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Förderung von Innovation durch Ausweitung und Flexibilisierung des DLT‑Pilotregimes und eine technikneutrale Ausgestaltung von Finalität und Sicherheiten.
Übersicht: Market Integration Package (Europäische Kommission, 04.12.2025)
Komprimierte Darstellung von Ziel, Fristen, Zielgruppen, Pflichten und Umsetzungsmaßnahmen.
| Bereich | Inhalt |
|---|---|
| A. Ziel (Sinn und Zweck) |
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| B. Umsetzungsfristen | Gestufter Umsetzungsbeginn voraussichtlich ab Mitte 2027 bis etwa 2029. |
| C. Zielgruppe |
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| D. Wesentliche Pflichten |
Variieren je nach Zielgruppe; Querschnittspflichten (für fast alle Zielgruppen):
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| E. Maßnahmenkatalog zur Umsetzung |
Die Zielgruppen müssen im Wesentlichen ihre
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FAQ: Market Integration Package (MIP) – Was jetzt auf Finanzmarktakteure zukommt
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Was ist das Market Integration Package (MIP) – und warum ist es wichtig?
Das Market Integration Package der EU-Kommission vom 4. Dezember 2025 ist ein Kernelement der geplanten Savings and Investments Union (SIU). Es soll EU-Kapitalmärkte stärker integrieren, Fragmentierung reduzieren und Effizienz steigern – entlang von Handel, Post-Trading und Fondsvertrieb.
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Welche Kernziele verfolgt das MIP?
Im Mittelpunkt stehen vier Ziele:
- Abbau von Hindernissen für Marktintegration (Handel, Post-Trading, Fondsvertrieb)
- Förderung von Innovation (u. a. DLT-Pilotregime)
- Vereinheitlichung und Stärkung der Aufsicht (mehr ESMA-Rolle bis hin zur Direktaufsicht)
- Vereinfachung des Kapitalmarktrechts (mehr EU-Harmonisierung, weniger nationale Spielräume)
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Welche Umsetzungsfristen sind zu erwarten?
Der Umsetzungsbeginn ist voraussichtlich gestuft ab Mitte 2027 bis etwa 2029. Institute sollten frühzeitig Gap-Analysen und mehrjährige Transformationsprogramme für Governance, Prozesse sowie Daten und Reporting einplanen.
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Wer ist besonders betroffen – und wer eher nur begrenzt?
Kernadressaten sind kapitalmarktorientierte Banken und Wertpapierinstitute, Marktinfrastrukturen (Handelsplätze, CCPs, CSDs), Asset-Manager/Fondsbranche, Verwahrstellen sowie Kryptodienstleister (CASPs). Reine Retail- oder Kreditgeschäfts-Banken ohne Kapitalmarkt-, Fonds- oder Krypto-Aktivitäten sind in der Regel nur begrenzt betroffen.
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Was ändert sich bei Handel, Post-Trading und Passporting?
Das MIP adressiert Hindernisse in Handel und Post-Trading, u. a. über Reformen von MiFIR und CSDR sowie erweiterte Passporting-Möglichkeiten. Prozesse, Verträge und Schnittstellen für Transparenz, Zugang, Best Execution und Cross-Border-Links müssen an ein stärker harmonisiertes EU-Regime angepasst werden.
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Was bedeutet die stärkere Rolle der ESMA für die Aufsicht?
Das Paket sieht eine stärkere Zentralisierung der Aufsicht vor. ESMA soll neue direkte Aufsichtsbefugnisse über zentrale Marktinfrastrukturen und Kryptodienstleister erhalten. Institute müssen sich daher auf ein EU-weit einheitliches Aufsichts-, Melde- und Prüfungsregime einstellen.
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Welche Auswirkungen hat das MIP auf Fondsbranche und Verwahrstellen?
Für UCITS- und AIFM-Verwaltungsgesellschaften stehen vereinfachte, harmonisierte Verfahren im grenzüberschreitenden Vertrieb und im Reporting im Fokus. Verwahrstellen sollten sich auf den EU-weiten Depositary-Pass vorbereiten und ihr Operating Model für Cross-Border-Funds entsprechend ausrichten.
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Welche nächsten Schritte sollten alle betroffenen Institute jetzt angehen?
Zentrale Schritte sind ein strukturiertes regulatorisches Change-Management (Analyse, Gap-Assessment, Umsetzungsplan), die Anpassung von Governance und Compliance-Prozessen sowie der Aufbau harmonisierter Daten- und Reportingstrukturen inklusive Schulung der Schlüsselrollen.
Quick-Check: Market Integration Package (MIP) – Einordnung, Wirkung & Umsetzungsreife
🚦 Einordnung aus Sicht der MIP-Umsetzungsreife
Ziel und regulatorische Einordnung des Market Integration Package
Das Market Integration Package (MIP) der Europäischen Kommission vom 4. Dezember 2025 ist ein zentrales Element der geplanten Savings and Investments Union. Es verfolgt das Ziel, die Kapitalmärkte in der EU stärker zu integrieren und regulatorische Fragmentierung abzubauen. Gleichzeitig soll die Wettbewerbsfähigkeit des europäischen Finanzsystems im internationalen Vergleich gestärkt werden.
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Vertiefung der EU-weiten Kapitalmarktintegration
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Abbau regulatorischer und operativer Markthindernisse
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Stärkung eines einheitlichen europäischen Kapitalmarkts
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Mobilisierung privater und institutioneller Ersparnisse
Insgesamt schafft das MIP den Rahmen für einen effizienteren und stärker integrierten EU-Kapitalmarkt.
Marktintegration, Passporting und neue Marktstrukturen
Ein wesentlicher Fokus des Pakets liegt auf der strukturellen Weiterentwicklung von Handel, Clearing und Post-Trading. Durch neue Marktmodelle und erweiterte Passporting-Regelungen sollen grenzüberschreitende Aktivitäten erleichtert werden. Ziel ist es, Skaleneffekte zu ermöglichen und Kostenunterschiede zwischen Mitgliedstaaten zu reduzieren.
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Einführung des Status „Paneuropäischer Marktbetreiber (PEMO)“
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Erweiterte EU-Pässe für Handelsplätze und Zentralverwahrer
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Abbau nationaler Zugangs- und Interoperabilitätshürden
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Reformen von MiFID II, MiFIR und CSDR
Damit wird eine einheitlichere Marktstruktur innerhalb der EU angestrebt.
Zentralisierung und Stärkung der Aufsicht durch ESMA
Das Market Integration Package sieht eine deutliche Verschiebung von Aufsichtskompetenzen auf EU-Ebene vor. Die ESMA soll künftig zentrale Marktakteure direkt beaufsichtigen und nationale Unterschiede in der Aufsichtspraxis reduzieren. Dies betrifft insbesondere grenzüberschreitend tätige Institute und Marktinfrastrukturen.
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Direkte ESMA-Aufsicht über Handelsplätze, CCPs und CSDs
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Zentrale Aufsicht über alle Kryptodienstleister (CASPs)
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Stärkung der koordinierenden Rolle der ESMA im Fondsbereich
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Harmonisierung von Aufsichts- und Meldeanforderungen
Für Institute bedeutet dies einen klaren Übergang zu stärker EU-zentralisierter Aufsicht.
Auswirkungen auf Banken, Wertpapierinstitute und Asset Manager
Adressaten des Pakets sind insbesondere kapitalmarktorientierte Banken, Wertpapierinstitute und Asset Manager. Reine Retail- oder Kreditbanken ohne Kapitalmarkt-, Fonds- oder Kryptoaktivitäten sind dagegen nur begrenzt betroffen. Für die Kernzielgruppen ergeben sich umfassende organisatorische und prozessuale Anpassungspflichten.
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Anpassung von Governance-, Compliance- und Kontrollsystemen
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Nutzung neuer Passporting- und Vertriebsregelungen
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Harmonisierung von Reporting- und Datenprozessen
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Überprüfung von Delegations- und Gruppenstrukturen
Das MIP wirkt damit tief in Geschäftsmodelle und Organisationsstrukturen hinein.
Innovation, DLT und praktische Umsetzung
Neben Marktstruktur und Aufsicht setzt das Paket gezielte Impulse für technologische Innovation. Insbesondere Distributed-Ledger-Technologien sollen stärker in bestehende Marktstrukturen integriert werden. Gleichzeitig steigt der Umsetzungsaufwand für Institute durch parallele EU-Regulierungsprojekte.
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Ausweitung und Flexibilisierung des DLT-Pilotregimes
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Technikneutrale Regelungen zu Finalität und Sicherheiten
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Verzahnung mit MiCAR, DORA und ESAP
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Mehrjähriges regulatorisches Change-Management erforderlich
Das Market Integration Package ist damit nicht nur Regulierung, sondern ein strategisches Transformationsprojekt für den EU-Finanzsektor.
Quellen
Europäische Kommission (EU):
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Überblicksseite „Market integration package“ (inkl. Legislativvorschläge, Factsheets, FAQ): https://finance.ec.europa.eu/publications/market-integration-package_en[finance.ec.europa]
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Communication zum Paket (politischer Rahmen, Ziele, Maßnahmen): https://ec.europa.eu/finance/docs/law/251204-communication-mip_en.pdf [PDF][ec.europa [PDF]]
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Legislativvorschläge (Auswahl):
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„Proposal for a regulation regarding the further development of capital market integration and supervision within the Union – Master Regulation“ (Link über die oben genannte EC-Seite, Abschnitt „Legislative proposals“).europa+1 [PDF]
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„Proposal for a directive regarding the further development of capital market integration and supervision within the Union – Master Directive“.finance.europa+1
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Vorschlag für eine Settlement Finality Regulation (SFR), abrufbar ebenfalls über die Market‑Integration‑Package‑Seite.[finance.ec.europa]
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Q&A / FAQ zum Paket (auch auf Deutsch verfügbar):
ESMA:
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ESMA‑Pressemitteilung „ESMA welcomes Commission’s ambitious proposal on market integration“ vom 4.12.2025: https://www.esma.europa.eu/press-news/esma-news/esma-welcomes-commissions-ambitious-proposal-market-integration[esma.europa]
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ESMA Website – Startseite mit Hinweis auf das Paket und Position Paper: https://www.esma.europa.eu[esma.europa]
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