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10. Juni 2026

20. EU- Sanktionspaket. Warum die Stellung als Garant i.S.d. § 13 StGB bei übersehenen Sanktionen zur Gefahr und damit zur persönlichen Haftungsfalle wird

Einführung in die Thematik

Im Sanktionsrecht endet die Haftungsprivilegierung der Firma: C-Level und Compliance-Verantwortliche stehen persönlich mit Vermögen und Freiheit im Feuer.

  • Organisationsverschulden & Strafe: Nach § 130 OWiG sowie § 43 GmbHG bzw. § 91 AktG haften Sie persönlich für die Einrichtung lückenloser Kontrollen. Das Außenwirtschaftsgesetz (AWG) ist drakonisch: Vorsätzliche Verstöße führen nach § 18 Abs. 1 AWG zu bis zu 5 Jahren, in schweren Fällen nach § 18 Abs. 7 AWG zu bis zu 10 Jahren Haft. Fahrlässigkeit wird nach § 19 AWG mit bis zu 500.000 € geahndet – oft ohne Deckung durch D&O-Versicherungen.

  • Garantenstellung & Unterlassen: Compliance- und Geldwäschebeauftragte haften nach § 13 StGB (Begehung durch Unterlassen) wie aktive Täter. Aus § 7 GwG erwächst eine Garantenstellung: Wer neue Güter-Codes der VO (EU) 833/2014 oder Namenslisten der VO (EU) 269/2014 übersieht, riskiert neben der Strafe den dauerhaften beruflichen Ruin durch Verlust des „Fit-and-Proper“-Status.

Fazit: Die Lektüre der Originalquellen ist kein Fleiß, sondern existenzieller Eigenschutz. Nur die präzise Kenntnis der Verordnungstexte verhindert die persönliche Haftungsfalle.

20 EU- Sanktionspaket

FAQ: Haftungsfokus Mai 2026 – Sanktionen, CRA & AML-Compliance

  • Warum ist der Mai 2026 ein kritischer Zeitpunkt für die Haftung der Geschäftsführung?

    Im Mai 2026 verschärft sich der Compliance-Druck erheblich: Das 20. EU-Sanktionspaket gegen Russland, neue Anforderungen aus dem Cyber Resilience Act, das kommende AML-Single-Rulebook und steigende Anforderungen an Entgelttransparenz treffen zeitlich zusammen. Für Geschäftsführung, Vorstand, Compliance-Verantwortliche und Geldwäschebeauftragte entsteht dadurch ein akutes persönliches Haftungsrisiko.

  • Was ändert sich fundamental im Sanktionsstrafrecht?

    Sanktionsverstöße sind nicht mehr nur ein Unternehmensproblem. Nach § 18 AWG drohen bei vorsätzlichen Verstößen Freiheitsstrafen von bis zu 5 Jahren, in schweren Fällen sogar bis zu 10 Jahren. Fahrlässige Verstöße können nach § 19 AWG mit Bußgeldern bis zu 500.000 € geahndet werden. Damit rückt die persönliche Verantwortung der handelnden Organe und Compliance-Funktionen in den Fokus.

  • Warum wird die Garantenstellung nach § 13 StGB zur Haftungsfalle?

    Compliance Officer und Geldwäschebeauftragte können durch Unterlassen haften, wenn sie offensichtliche Risiken nicht erkennen oder keine geeigneten Kontrollen einrichten. Aus der Garantenstellung nach § 13 StGB folgt: Wer verpflichtet ist, Rechtsverstöße zu verhindern, kann strafrechtlich so behandelt werden, als hätte er aktiv gehandelt. Besonders kritisch ist dies bei übersehenen Sanktionslisten, neuen Güter-Codes oder Umgehungsindikatoren.

  • Welche Rolle spielt das 20. EU-Sanktionspaket gegen Russland?

    Das 20. EU-Sanktionspaket erweitert die Prüfpflichten deutlich. Unternehmen müssen nicht mehr nur direkte Geschäftspartner prüfen, sondern auch Zahlungsintermediäre, Drittstaaten-Risiken, Endverbleibserklärungen und Logistikstrukturen. Besonders relevant sind neue Risiken bei Payment Agents, Zentralasien-Geschäften, Schattenflotten und Umgehungskonstruktionen über Drittstaaten.

  • Was bedeutet das Unverzüglichkeitsgebot im Sanktionsrecht?

    Sobald Personen, Unternehmen, Schiffe oder Organisationen im EU-Amtsblatt gelistet werden, gelten Bereitstellungsverbote und Einfrierpflichten unmittelbar. In der Praxis bedeutet „unverzüglich“: ohne schuldhaftes Zögern, oft innerhalb weniger Stunden. Zahlungen, die nach Veröffentlichung einer Listung noch durchrutschen, können bereits einen Verstoß gegen das Außenwirtschaftsrecht darstellen.

  • Warum reicht monatliches Sanktions-Screening nicht mehr aus?

    Die Geschwindigkeit neuer Listungen macht klassische Batch-Prüfungen riskant. Zwischen Veröffentlichung im EU-Amtsblatt und dem Update gängiger Screening-Software können 12 bis 24 Stunden liegen. Unternehmen sollten daher Daily-Delta-Screening, manuelles Monitoring kritischer EU-Veröffentlichungen und eine dokumentierte Echtzeit-Update-Logik etablieren.

  • Welche neuen Pflichten entstehen bei Drittstaaten-Geschäften?

    Geschäfte über Drittstaaten wie Kirgisistan, Kasachstan, Laos, Aserbaidschan oder die VAE müssen verschärft geprüft werden. Unternehmen müssen klären, ob Waren, Zahlungen oder Dienstleistungen mittelbar nach Russland gelangen könnten. Entscheidend sind Endverbleibserklärungen, KYCC-Prüfungen und eine belastbare „No-Russia“-Klausel nach Art. 12g VO (EU) 833/2014.

  • Was müssen Compliance-Abteilungen beim Logistik-Screening beachten?

    Die Prüfung darf sich nicht mehr nur auf Empfänger und Vertragspartner beschränken. Auch Transportwege, Reedereien, Schiffseigner und IMO-Nummern müssen in das Screening einbezogen werden. Besonders kritisch ist die erweiterte Liste sanktionierter Schiffe der sogenannten Schattenflotte. Logistik-Compliance wird damit zu einem zentralen Bestandteil des Sanktionsmonitorings.

  • Welche Risiken bestehen für Geldwäschebeauftragte?

    Geldwäschebeauftragte müssen sicherstellen, dass Zahlungsströme über auffällige Intermediäre, Hochrisiko-Drittstaaten und atypische Korrespondenzbanken erkannt werden. Neue Payment-Agent-Risiken und Umgehungsmuster erhöhen die Anforderungen an Transaktionsmonitoring, Verdachtsmeldewesen und Sanktionslistenprüfung. Ein veralteter Filter kann als systemisches Kontrollversagen gewertet werden.

  • Welche Bedeutung hat der Cyber Resilience Act im Haftungskontext?

    Der Cyber Resilience Act erhöht den Druck auf Unternehmen, rechtzeitig Konformitätsbewertungen, technische Prüfkapazitäten und Meldeprozesse aufzubauen. Wer notwendige Prüfungen zu spät einplant, riskiert Verkaufsstopps, Sicherheitslücken und Organisationsverschulden. Geschäftsleitungen müssen daher frühzeitig Ressourcen, Zuständigkeiten und Nachweise zur Cyber-Compliance sichern.

  • Was bedeutet das AML-Single-Rulebook für die Geldwäscheprävention?

    Mit der AMLR entsteht ein stärker harmonisiertes europäisches Regelwerk zur Geldwäscheprävention. Unternehmen müssen ihre KYC-Prozesse, Risikoanalysen, Monitoring-Systeme und Meldewege auf die neuen Standards ausrichten. Für Geldwäschebeauftragte bedeutet das: nationale Mindestumsetzung reicht künftig nicht mehr aus; gefragt ist ein belastbares, EU-kompatibles Kontrollsystem.

  • Welche technischen Anforderungen gelten künftig für das Sanktions-Screening?

    Erforderlich sind insbesondere:
    • tagesaktuelles Screening gegen EU-Sanktionslisten
    • Prüfung von IMO-Nummern und Logistikdaten
    • Integration neuer Payment-Agent- und Drittstaaten-Risiken
    • Dokumentation von Update-Zeitpunkten
    • Eskalationsprozesse bei False Positives und Red Flags

  • Wie können Unternehmen Geschäftsleitung und Compliance-Verantwortliche entlasten?

    Entscheidend ist eine lückenlose Dokumentation der Organisationspflichten. Geschäftsführung und Vorstand sollten Ressourcen, Zuständigkeiten, Eskalationswege und Risikoentscheidungen schriftlich festhalten. Ein belastbares Compliance-Management-System, regelmäßige Risiko-Updates und dokumentierte Freigabeentscheidungen können im Haftungsfall entlastend wirken.

  • Was müssen C-Level-Verantwortliche jetzt konkret tun?

    C-Level-Verantwortliche sollten sofort handeln:
    • Ressourcen-Audit für Compliance und Geldwäscheprävention durchführen
    • Hochrisiko-Drittstaaten neu bewerten
    • Echtzeit-Sanktionsscreening etablieren
    • Logistik- und Payment-Agent-Screening erweitern
    • No-Russia-Klauseln und Endverbleibskontrollen verschärfen
    • Fast-Response-Prozesse für Behördenanfragen und Rechtsstreitigkeiten einrichten

I. Timeline

Im Sanktionsrecht gibt es keine „Schonfrist“. Die Zeitlinien sind oft extrem aggressiv und lassen keinen Spielraum für operatives Zögern. Für Sie sind drei Frist-Kategorien entscheidend:

1. Die „Sofort-Frist“ (Unverzüglichkeitsgebot)

Sobald eine Person oder ein Unternehmen in den Anhängen der VO (EU) 269/2014 (Finanzsanktionen) gelistet wird, gilt das Bereitstellungsverbot.

Frist: Unverzüglich. Das bedeutet in der Praxis: Binnen weniger Stunden nach Veröffentlichung im EU-Amtsblatt müssen Konten eingefroren und Transaktionen gestoppt werden.

Risiko: Jede Zahlung, die „durchrutscht“, nachdem die Verordnung online ist, ist ein potenzieller Verstoß gegen § 18 AWG.

2. Die „Wind-down“-Fristen (Altvertragsregelungen)

Viele Exportverbote in der VO (EU) 833/2014 enthalten Übergangsregelungen für Geschäfte, die bereits vor Inkrafttreten der Sanktion vertraglich fixiert waren.

Frist: Meist 3 bis 6 Monate (selten länger). Diese sogenannten „Sunset Clauses“ erlauben es, laufende Projekte ordnungsgemäß abzuwickeln.

Wichtig: Diese Fristen gelten oft nur, wenn der Vertrag vor einem bestimmten Stichtag (dem Datum der Sanktionierung) geschlossen wurde.

Prüfpflicht: Sie müssen nachweisen können, dass der Vertrag „alt“ ist. Nachträgliche Änderungen (Addenda) können den Altvertragsstatus vernichten.

3. Meldepflichten (Reporting Deadlines)

Sanktionen verpflichten Sie zur aktiven Kooperation mit den Behörden (in Deutschland meist Bundesbank oder BAFA).

Eingefrorene Gelder: Meldungen über blockierte Konten oder versuchte Transaktionen müssen oft binnen zwei Wochen (oder gemäß spezifischer Verordnung „unverzüglich“) erfolgen.

Auskunftspflichten: Die EU verschärft die Pflicht, Informationen über Vermögenswerte sanktionierter Personen proaktiv zu melden, selbst wenn keine Transaktion ansteht. Wer hier Fristen versäumt, riskiert Bußgelder wegen Verletzung von Mitwirkungspflichten.

4. Die „Re-Screening“-Zyklen

Für den Geldwäschebeauftragten gibt es zudem die interne Frist der Überwachung.

Intervall: Ein monatlicher Check der Kundenstämme reicht im aktuellen geopolitischen Klima nicht aus. Die Aufsichtsbehörden erwarten bei Hochrisiko-Konstellationen ein tagesaktuelles Screening gegen die EU-Listen.

Norm: Dies leitet sich aus der Angemessenheit des Risikomanagements nach § 6 GwG ab.

Strategischer Tipp für das C-Level:

Verlassen Sie sich nicht auf die deutsche Übersetzung im Bundesanzeiger. Maßgeblich ist das Amtsblatt der EU (L-Serie). Zwischen der Veröffentlichung dort und der Implementierung in gängige Screening-Software liegen oft 12 bis 24 Stunden – ein gefährliches Zeitfenster, das Sie durch manuelles Monitoring der EU-Pressemitteilungen schließen müssen.

II. Pflichten der Personengruppen aufgrund des 20. Sanktionspaket der EU gegen Russland

1. Die neuen Pflichten im Detail

Für Sie als Verantwortliche ergeben sich drei neue Handlungsschwerpunkte:

Zahlungsverkehr-Monitoring (Payment Agents): Erstmals werden nicht nur Banken, sondern explizit „Zahlungsvermittler“ (Payment Agents) in Drittstaaten (u. a. Kirgisistan, Aserbaidschan, Laos) sanktioniert. Compliance-Teams müssen ihre Screening-Prozesse auf diese Intermediäre ausweiten.

Schutz vor russischen Klagen (Anti-Suit Injunctions): EU-Unternehmen haben nun das ausdrückliche Recht, vor EU-Gerichten einstweilige Verfügungen gegen Klagen russischer Firmen in Russland zu erwirken. C-Level-Entscheider müssen bei Rechtsstreitigkeiten in Russland sofort prüfen, ob diese neue EU-Rechtsschutzmöglichkeit genutzt werden kann.

Erweiterte „Schattenflotte“-Prüfung: Die Liste der sanktionierten Schiffe wurde massiv erweitert. Es reicht nicht mehr, nur nach Öl-Tankern zu suchen; auch Schiffe, die Mineralerzeugnisse transportieren, unterliegen nun strengen Hafenverbote

2. Was das für Ihre Rolle bedeutet

C-Level: Sie müssen die Risikoappetit-Strategie für Geschäfte mit Zentralasien (besonders Kirgisistan) neu bewerten. Die EU signalisiert hier Nulltoleranz.

Compliance: Die IT-Systeme müssen so konfiguriert sein, dass sie nicht nur Firmennamen, sondern auch die IMO-Nummern der neu gelisteten Schiffe und die neuen Payment-Agent-Netzwerke erkennen.

Geldwäschebeauftragte: Verdachtsmeldungen (SARs) müssen nun verstärkt auf atypische Zahlungswege über Banken in Laos oder Aserbaidschan prüfen, da diese als neue Brückenköpfe identifiziert wurden.

III. Analyse der Problemfelder

Hier sind die zentralen Pain Points, verknüpft mit den relevanten Normen:

1. Die Haftungs-Schere (Personal Risk)

Der größte Schmerzpunkt ist das Auseinanderdriften von operativer Komplexität und persönlicher Verantwortung.

Der Pain Point: Während die Lieferketten immer undurchsichtiger werden, verschärfen Behörden den Fokus auf die individuelle Verantwortung.

Die Normen:

§ 130 OWiG: Organisationsverschulden bei mangelnder Aufsicht.

§ 18 AWG: Strafandrohung bis zu 10 Jahre Haft bei vorsätzlicher Umgehung.

§ 43 GmbHG / § 91 AktG: Persönliche Haftung des Managements bei fehlendem Compliance-System.

2. Das Umgehungs-Dilemma (Drittstaaten-Prüfung)

Seit dem 20. Paket steht nicht mehr nur der direkte Export im Fokus, sondern die „Sanktionsumgehung über Bande“.

Der Pain Point: Unternehmen müssen nun Detektivarbeit in Ländern wie Kirgisistan oder den VAE leisten. Wer dort liefert, ohne den Endverbleib lückenlos zu klären, steht mit einem Bein im Strafrecht.

Die Normen:

Art. 12g VO (EU) 833/2014: Die „No-Russia“-Klausel verpflichtet Unternehmen, den Wiederexport nach Russland vertraglich zu verbieten und zu überwachen.

§ 13 StGB (Garantenstellung): Compliance-Officer haften durch Unterlassen, wenn sie offensichtliche Umgehungsindizien (Red Flags) ignorieren.

3. Der „Instant-Update“-Druck (Echtzeit-Sanktionierung)

Die Geschwindigkeit, mit der neue Player (wie die „Payment Agents“ aus dem 20. Paket) gelistet werden, überfordert oft die IT-Systeme.

Der Pain Point: Zwischen der Veröffentlichung im EU-Amtsblatt und dem Update in der Screening-Software liegt oft eine Lücke von 12–24 Stunden. In dieser Zeit durchgeführte Zahlungen sind illegal.

Die Normen:

VO (EU) 269/2014: Unverzügliches Bereitstellungsverbot. „Unverzüglich“ bedeutet rechtlich: ohne schuldhaftes Zögern (sofort).

§ 7 GwG: Der Geldwäschebeauftragte muss die Angemessenheit der Überwachungssysteme sicherstellen; ein veralteter Filter ist ein systemisches Versagen.

4. Die „Schattenflotte“ & Logistik-Blindheit

Das 20. Paket hat die Liste sanktionierter Schiffe und Logistikdienstleister massiv erweitert.

Der Pain Point: Es reicht nicht mehr, den Empfänger zu prüfen. Man muss nun auch prüfen, ob das Schiff, das die Ware (auch in neutrale Länder) transportiert, auf einer schwarzen Liste steht oder einem sanktionierten Eigner gehört.

Die Normen:

Art. 3s VO (EU) 833/2014: Hafenverbote und Zugangsverweigerung für gelistete Schiffe.

Anhang XL der VO 833/2014: Die spezifische Liste der sanktionierten Schiffe (Schattenflotte).

5. Kollisionsrechtlicher Schmerz (Russische Gegenklagen)

Russland reagiert auf Sanktionen mit Enteignungen und Klagen vor russischen Gerichten.

Der Pain Point: C-Level stehen zwischen EU-Recht (Sanktionen einhalten) und russischem Recht (Vertragserfüllung erzwingen).

Die Normen:

Art. 11 VO (EU) 833/2014: Erfüllungsverbot (No-Claims-Klausel). EU-Bürger dürfen keine Ansprüche russischer Akteure erfüllen, die aus den Sanktionen resultieren.

Anti-Suit Injunctions (20. Paket): Die neue Pflicht/Möglichkeit, gerichtlich gegen russische Verfahren vorzugehen, um den EU-Rechtsschutz zu wahren.

 

Quick-Check: Haftungs-Resilienz Mai 2026

Check Zentrale Fragestellung zur Haftungsvermeidung
Echtzeit-Screening aktiv?
Ist das Sanktions-Screening auf tagesaktuelle EU-Listen, manuelles Monitoring des EU-Amtsblatts und dokumentierte Update-Zeitpunkte umgestellt?
Garantenstellung abgesichert?
Sind Pflichten von Compliance Officer und Geldwäschebeauftragtem nach § 13 StGB und § 7 GwG klar dokumentiert und mit Eskalationswegen hinterlegt?
Drittstaaten-Risiken geprüft?
Werden Geschäfte über Hochrisiko-Staaten wie Kirgisistan, Kasachstan, Laos, Aserbaidschan oder die VAE auf mögliche Sanktionsumgehung geprüft?
No-Russia-Klausel verschärft?
Enthalten Verträge nach Art. 12g VO (EU) 833/2014 belastbare No-Russia-Klauseln, Audit-Rechte und Nachweispflichten zum Endverbleib?
Logistik-Screening erweitert?
Werden nicht nur Empfänger, sondern auch Transportwege, Reedereien, Schiffseigner und IMO-Nummern gegen Sanktionslisten geprüft?
Payment-Agent-Filter aktiv?
Sind neu gelistete Zahlungsintermediäre und atypische Zahlungswege in Hochrisiko-Drittstaaten im Transaktionsmonitoring berücksichtigt?
Melde- und Fast-Response-Prozesse etabliert?
Können Verdachtsfälle, blockierte Gelder, Behördenanfragen und russische Gegenklagen unverzüglich an Legal, C-Level und Behörden eskaliert werden?
CRA-Prüfkapazitäten gesichert?
Sind technische Prüfkapazitäten, Konformitätsbewertungen und Meldeprozesse zum Cyber Resilience Act rechtzeitig geplant und dokumentiert?
AML-Single-Rulebook vorbereitet?
Sind KYC-Prozesse, Risikoanalysen und Monitoring-Systeme bereits auf die harmonisierten EU-Anforderungen der AMLR ausgerichtet?
C-Level-Entlastung dokumentiert?
Sind Ressourcen, Risikoentscheidungen, Freigaben und Kontrollmaßnahmen so dokumentiert, dass Organisationsverschulden nach § 130 OWiG vermieden wird?

🚦 Haftungsstatus aus Sicht der EU-Aufsicht

ROT
Akute Gefahr persönlicher Haftung, Strafbarkeit oder Sanktionsverstoß
GELB
Compliance-Gaps vorhanden, hoher Umsetzungs- und Dokumentationsdruck
GRÜN
Organisationspflichten erfüllt, operative Resilienz nachweisbar

IV. Lösungsansätze & Empfehlungen

1. Governance & Organisation (Fokus: C-Level)

Ziel: Vermeidung des Organisationsverschuldens nach § 130 OWiG.

Ressourcen-Audit: Schriftliche Feststellung durch die Geschäftsführung, dass die Compliance-Abteilung über ausreichend Budget und Personal verfügt, um die erhöhten Prüfpflichten des 20. Pakets (insb. Drittstaaten-Monitoring) zu erfüllen.

Anpassung der Business-Strategie: Formeller Beschluss über den Umgang mit Hochrisiko-Drittstaaten (z. B. Kirgisistan, Kasachstan, VAE). Festlegung von Schwellenwerten, ab denen Geschäfte zwingend durch den Vorstand/die Geschäftsführung freigegeben werden müssen.

Rechtsschutz-Vorsorge: Implementierung eines Prozesses für Anti-Suit Injunctions. Definition einer "Fast-Response-Unit" aus Legal und C-Level, um auf russische Klagen vor EU-Gerichten sofort mit Gegenmaßnahmen reagieren zu können.

2. Operative Compliance (Fokus: Compliance Officer)

Ziel: Rechtssichere Abwicklung nach § 18 AWG und VO (EU) 833/2014.

Einführung einer „Enhanced No-Russia-Clause“: Überarbeitung aller Verträge gemäß Art. 12g VO 833/2014. Ergänzung um pönalisierte Audit-Rechte, die es Ihnen erlauben, beim Kunden im Drittstaat vor Ort den Endverbleib der Ware zu prüfen.

Verschärftes Logistik-Screening: Umstellung der Prüfung von „Empfänger-basiert“ auf „Transport-basiert“. Jede Buchung muss zwingend die IMO-Nummer des Schiffes enthalten, die automatisiert gegen die erweiterten Listen der Schattenflotte (Anhang XL) geprüft wird.

Know-Your-Customer's-Customer (KYCC): Bei Lieferungen in Sanktions-Brückenstaaten (Zentralasien) reicht die Prüfung des direkten Vertragspartners nicht mehr aus. Einholung und Verifizierung von Endverbleibserklärungen (EUC) für jeden Einzelauftrag.

3. Finanz-Monitoring (Fokus: Geldwäschebeauftragter)

Ziel: Erfüllung der Garantenstellung nach § 7 GwG und § 13 StGB.

Payment-Agent-Filter: Manuelle oder automatisierte Blacklisting-Erweiterung für die neu identifizierten Finanzintermediäre in Südostasien und den VAE. Sperre aller Transaktionen, die über diese im 20. Paket gelisteten "Zahlungsagenten" laufen.

Echtzeit-Update-Protokoll: Umstellung der Screening-Zyklen von Batch-Verarbeitung (z. B. wöchentlich) auf Daily-Delta-Screening. Dokumentation der Zeitstempel zwischen EU-Veröffentlichung und System-Update zur Exkulpation bei "Flash-Sanktionierungen".

Transaktions-Typologie-Check: Kalibrierung des Monitoring-Systems auf atypische Zahlungswege (z. B. plötzliche Volumensprünge bei Korrespondenzbanken in Laos), die auf die im 20. Paket beschriebenen Umgehungsmuster hindeuten.


Quellenverzeichnis

EU verabschiedet 20. Sanktionspaket gegen Russland von Europäischer Kommission: Pressemitteilung vom 24.04.2026,

https://germany.representation.ec.europa.eu/news/eu-verabschiedet-20-sanktionspaket-gegen-russland-2026-04-24_de

, abgerufen am 12.05.2026.

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