S+P Seminare: Lehrgang Leadership
Der Lehrgang behandelt unter anderem Teamführung, Feedbackkultur und Konfliktmanagement.
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S+P Governance | Führung und Personalentscheidungen
Rechtsstand: Oktober 2026 · Lesezeit: rund 14 Minuten · Zielgruppe: Geschäftsführung, HR, Führungskräfte
Der Keeper Test ist eine Frage, die Führungskräfte sich zu jeder Person im Team stellen: Würde ich um sie kämpfen, wenn sie gehen wollte? Für die Geschäftsleitung in Deutschland ist er eine Reflexionsfrage, kein Kündigungsgrund. Was darauf folgen darf, regeln Kündigungsschutz und Betriebsverfassung.
Die Frage an die Geschäftsleitung lautet nicht, ob Führungskräfte die Leistung ihrer Teams einschätzen, sondern wie sie diese Einschätzung festhalten und was daraus folgen darf. Der Keeper Test steht für eine ehrliche Einschätzung, ist aber kein Verfahren, aus dem sich eine Trennung ableiten ließe.
Netflix beschreibt den Keeper Test in seinem Culture Memo mit zwei Fragen: ob die Führungskraft dafür kämpfen würde, eine Person zu halten, die gehen will, und ob sie die Person mit dem heutigen Wissen erneut einstellen würde. Lautet die Antwort nein, hält Netflix es für fairer, sich zügig zu trennen. Den Namen hat nach Angabe von Netflix der Mitgründer Reed Hastings geprägt.
In Deutschland gilt für Trennungen ein eigener Rahmen. Im Anwendungsbereich des Kündigungsschutzgesetzes ist eine sozial ungerechtfertigte Kündigung rechtsunwirksam (§ 1 Abs. 1 und 2 KSchG); ein „Nein“ im Keeper Test ersetzt den Kündigungsgrund nicht. Besteht ein Betriebsrat, ist er vor jeder Kündigung zu hören (§ 102 Abs. 1 BetrVG), und allgemeine Beurteilungsgrundsätze brauchen seine Zustimmung (§ 94 Abs. 2 BetrVG).
Dieser Beitrag erklärt den Test, ordnet ihn rechtlich ein, benennt Zuständigkeiten und endet mit einem Quick-Check, mit dem du einordnest, wo dein Haus steht.
Die Tabelle fasst zusammen, was der Beitrag weiter unten ausführt und belegt.
| Keypoint | Kernaussage | Normbezug |
|---|---|---|
| Begriff | Führungskräfte fragen sich zu jeder Person im Team, ob sie um deren Verbleib kämpfen und sie erneut einstellen würden. | Praxisbegriff aus dem Netflix Culture Memo, kein Normbezug |
| Kein Kündigungsgrund | Ein „Nein“ ersetzt keinen Kündigungsgrund. Sozial ungerechtfertigte Kündigungen sind rechtsunwirksam, der Arbeitgeber beweist die Tatsachen. | § 1 Abs. 1 und 2 KSchG |
| Geltungsbereich | Der allgemeine Kündigungsschutz hängt von Wartezeit und Betriebsgröße ab; für nach 2003 begonnene Arbeitsverhältnisse gilt er nicht in Betrieben mit in der Regel zehn oder weniger Arbeitnehmern. | § 23 Abs. 1 KSchG |
| Anhörung des Betriebsrats | Vor jeder Kündigung ist der Betriebsrat zu hören; eine Kündigung ohne Anhörung ist unwirksam. | § 102 Abs. 1 BetrVG |
| Beurteilungsgrundsätze | Allgemeine Beurteilungsgrundsätze bedürfen der Zustimmung des Betriebsrats; ob der Keeper Test dazu zählt, ist im Einzelfall zu prüfen. | § 94 Abs. 2 BetrVG |
| Gleichbehandlung | Bewertungen dürfen nicht an die im AGG genannten Gründe anknüpfen. | § 7 Abs. 1 AGG |
| Praxis | Regelmäßiges Feedback, Entwicklungsangebote und dokumentierte Gespräche sollten dem Test vorausgehen. | Praxisempfehlung, kein Normbezug |
Der Keeper Test besteht darin, dass Führungskräfte sich zu jeder Person im Team zwei Fragen stellen. Der Reiz liegt nach unserer Einschätzung in der Einfachheit: Die Fragen zwingen zu einer ehrlichen Einschätzung der Leistung.
Würde ich dafür kämpfen, die Person zu halten, wenn sie gehen wollte?
Würde ich die Person mit allem, was ich heute weiß, erneut einstellen?
Netflix empfiehlt regelmäßige Gespräche über Stärken und Schwächen, damit es keine Überraschungen gibt, und bewertet Mitarbeitende nach ihrem Gesamtbild statt nach einzelnen Fehlern.
Netflix beschreibt den Keeper Test im Zusammenhang mit seiner „Dream Team“-Idee. Das Unternehmen versteht sich als Profi-Sportmannschaft und nicht als Familie und orientiert sich an Leistung statt an Betriebszugehörigkeit oder bedingungsloser Loyalität. Die Führungskräfte sollen mit dem Test sicherstellen, dass auf jeder Position die richtige Person sitzt.
Der Name geht laut Netflix auf Mitgründer Reed Hastings zurück, der sich an einen gefangenen Fisch erinnerte, den sein Vater als „keeper“ bezeichnete. Dieses Verständnis von Führung ist die Entscheidung eines einzelnen Unternehmens und lässt sich nicht ohne Weiteres auf deutsche Betriebe übertragen.
Quelle für diesen Abschnitt ist das Culture Memo von Netflix (siehe Quellenverzeichnis).
Der Keeper Test ist eine Reflexionsfrage und keine Rechtsgrundlage. Wer aus ihm Personalentscheidungen ableitet, bewegt sich im Rahmen des deutschen Arbeitsrechts.
| Frage | Was gilt | Normbezug |
|---|---|---|
| Genügt ein „Nein“ als Trennungsgrund? | Nein. Im Anwendungsbereich des Kündigungsschutzgesetzes ist eine Kündigung rechtsunwirksam, wenn sie sozial ungerechtfertigt ist. Sozial ungerechtfertigt ist sie, wenn sie nicht durch Gründe in der Person oder im Verhalten oder durch dringende betriebliche Erfordernisse bedingt ist. Der Arbeitgeber hat die Tatsachen zu beweisen, die die Kündigung bedingen. | § 1 Abs. 1 und 2 KSchG |
| Wann gilt das Kündigungsschutzgesetz? | Das Arbeitsverhältnis muss länger als sechs Monate bestanden haben. Für nach dem 31. Dezember 2003 begonnene Arbeitsverhältnisse gilt der allgemeine Kündigungsschutz nicht in Betrieben, in denen in der Regel zehn oder weniger Arbeitnehmer beschäftigt werden; für ältere Arbeitsverhältnisse liegt die Schwelle bei fünf. Teilzeitkräfte zählen anteilig. | § 1 Abs. 1 KSchG, § 23 Abs. 1 KSchG |
| Muss der Betriebsrat beteiligt werden? | Der Betriebsrat ist vor jeder Kündigung zu hören, und der Arbeitgeber teilt ihm die Gründe mit. Eine Kündigung ohne Anhörung ist unwirksam. | § 102 Abs. 1 BetrVG |
| Braucht der Test die Zustimmung des Betriebsrats? | Allgemeine Beurteilungsgrundsätze bedürfen der Zustimmung des Betriebsrats. Ob der Keeper Test im Haus als solcher Grundsatz gilt, hängt von der Ausgestaltung ab und ist im Einzelfall zu prüfen. | § 94 Abs. 2 BetrVG |
| Worauf muss die Bewertung achten? | Beschäftigte dürfen nicht wegen eines in § 1 AGG genannten Grundes benachteiligt werden. | § 7 Abs. 1 AGG |
Allgemeine Darstellung, keine Rechtsberatung. Die Hinweise zum Betriebsverfassungsgesetz gelten für Betriebe mit Betriebsrat.
Für den Keeper Test selbst gibt es keinen vorgeschriebenen Rhythmus. Gesetzliche Zeitpunkte betreffen die Kündigung.
| Gegenstand | Zeitpunkt oder Frist | Normbezug |
|---|---|---|
| Keeper Test | Es gibt keinen gesetzlichen Rhythmus. Wie oft Führungskräfte sich die Fragen stellen, entscheidet das Haus. | Praxisentscheidung, kein Normbezug |
| Wartezeit | Der allgemeine Kündigungsschutz setzt voraus, dass das Arbeitsverhältnis in demselben Betrieb oder Unternehmen ohne Unterbrechung länger als sechs Monate bestanden hat. | § 1 Abs. 1 KSchG |
| Stellungnahme des Betriebsrats (ordentliche Kündigung) | Bedenken sind innerhalb einer Woche schriftlich mitzuteilen. Äußert sich der Betriebsrat nicht, gilt seine Zustimmung als erteilt. | § 102 Abs. 2 BetrVG |
| Stellungnahme des Betriebsrats (außerordentliche Kündigung) | Bedenken sind unverzüglich, spätestens innerhalb von drei Tagen, schriftlich mitzuteilen. | § 102 Abs. 2 BetrVG |
Wer beim Keeper Test welche Aufgabe übernimmt, richtet sich nach dem Haus. Die Übersicht zeigt, wo Normen berührt sind.
| Funktion | Aufgabe beim Keeper Test | Normbezug |
|---|---|---|
| Geschäftsleitung | Entscheidet, ob und wie der Keeper Test im Haus eingesetzt wird, legt Zweck und Grenzen fest und bleibt für Personalentscheidungen verantwortlich. | § 94 Abs. 2 BetrVG |
| Führungskräfte | Schätzen ehrlich ein, führen regelmäßige Gespräche und halten fest, was besprochen wurde. Die Bewertung darf nicht an geschützte Merkmale anknüpfen. | § 7 Abs. 1 AGG |
| HR | Prüft vor jeder Trennungsentscheidung, ob ein Kündigungsgrund vorliegt, ob das Kündigungsschutzgesetz anwendbar ist und ob der Betriebsrat zu hören ist. | § 1 Abs. 1 und 2 KSchG, § 23 Abs. 1 KSchG, § 102 Abs. 1 BetrVG |
| Betriebsrat (falls vorhanden) | Wird vor jeder Kündigung gehört und stimmt allgemeinen Beurteilungsgrundsätzen zu. | § 102 Abs. 1 BetrVG, § 94 Abs. 2 BetrVG |
Allgemeine Darstellung ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Die konkrete Zuordnung hängt vom Haus und von der Ausgestaltung ab.
Fünf Herausforderungen berühren Normen, eine ist eine Praxisfrage. Wo kein Normbezug besteht, steht das ausdrücklich dabei.
Die Einschätzung beruht auf dem Urteil einer einzelnen Führungskraft und kann subjektiv ausfallen. Bewertungen dürfen nicht an die in § 1 AGG genannten Gründe anknüpfen.
Ein „Nein“ ersetzt keinen Kündigungsgrund. Der Arbeitgeber trägt die Beweislast für die Tatsachen, die die Kündigung bedingen.
Ob das Kündigungsschutzgesetz greift, hängt von Wartezeit und Betriebsgröße ab. Das ändert die Risikolage erheblich, sollte aber nicht der Maßstab für den Umgang mit Mitarbeitenden sein.
Vor jeder Kündigung ist der Betriebsrat zu hören. Fehlt die Anhörung, ist die Kündigung unwirksam.
Wird der Keeper Test als einheitlicher Maßstab für Beschäftigte aufgestellt, kann er einen allgemeinen Beurteilungsgrundsatz darstellen und der Zustimmung des Betriebsrats bedürfen.
Ein Instrument, das die Frage nach dem Halten einer Person systematisch stellt, kann Unsicherheit im Team auslösen. Netflix räumt selbst ein, dass der Test abstrakt beängstigend klingen kann.
Der Keeper Test sagt viel über das Führungsverständnis eines Hauses: Netflix stellt dabei Leistung über Betriebszugehörigkeit und verbindet den Test mit regelmäßigen, offenen Gesprächen über Stärken und Schwächen. Für die Geschäftsleitung lautet die Leitfrage, was sie belegen kann: dass Feedback stattgefunden hat, dass Entwicklungsmöglichkeiten angeboten wurden und dass Entscheidungen auf Gründen beruhen, die einer Prüfung standhalten.
Vier Fragen, je drei Stufen. Zu jeder Stufe erscheint eine Empfehlung für die nächste Sitzung der Geschäftsleitung. Die Auswahl wird nicht gespeichert und nicht übertragen.
Bezug: Praxisfrage, kein Normbezug.
Bezug: § 1 Abs. 1 und 2 KSchG und § 23 Abs. 1 KSchG.
Bezug: § 102 Abs. 1 BetrVG und § 94 Abs. 2 BetrVG. Besteht kein Betriebsrat, entfällt dieser Punkt.
Bezug: Praxisfrage, kein Normbezug.
Diese fünf Maßnahmen sind nach unserer Einschätzung unabhängig davon sinnvoll, ob ein Haus den Keeper Test einsetzt.
Der Keeper Test ist ein einfaches Instrument, das Führungskräfte zu einer ehrlichen Einschätzung ihrer Teams bringt. Im deutschen Arbeitsrecht ist er eine Reflexionsfrage und kein Kündigungsgrund.
Die Entscheidung liegt bei der Geschäftsleitung: Wer den Keeper Test als Reflexionsfrage einsetzt, Zuständigkeiten klärt und Trennungsentscheidungen rechtlich prüft, kann gegenüber Belegschaft und Betriebsrat darlegen, wie das Haus mit Leistungsfragen umgeht.
Die Antworten beziehen sich auf KSchG, BetrVG und AGG, Rechtsstand Oktober 2026.
Der Keeper Test ist eine Frage, die Führungskräfte sich zu jeder Person im Team stellen: Würde ich dafür kämpfen, sie zu halten, wenn sie gehen wollte? Netflix ergänzt die Frage, ob die Führungskraft die Person mit ihrem heutigen Wissen erneut einstellen würde.
Netflix beschreibt den Test in seinem Culture Memo. Den Namen hat nach Angabe von Netflix der Mitgründer Reed Hastings geprägt, der sich an einen gefangenen Fisch erinnerte, den sein Vater als „keeper“ bezeichnete.
Führungskräfte stellen sich die beiden Fragen zu jeder Person im Team. Netflix empfiehlt zusätzlich regelmäßige Gespräche über Stärken und Schwächen, damit es keine Überraschungen gibt, und bewertet Mitarbeitende nach ihrem Gesamtbild statt nach einzelnen Fehlern.
Nein. Im Anwendungsbereich des Kündigungsschutzgesetzes ist eine Kündigung rechtsunwirksam, wenn sie sozial ungerechtfertigt ist, und der Arbeitgeber hat die Tatsachen zu beweisen, die sie bedingen (§ 1 Abs. 1 und 2 KSchG). Ob das Gesetz im Betrieb gilt, hängt unter anderem von der Betriebsgröße ab (§ 23 Abs. 1 KSchG).
Vor jeder Kündigung ist der Betriebsrat zu hören; ohne Anhörung ist die Kündigung unwirksam (§ 102 Abs. 1 BetrVG). Allgemeine Beurteilungsgrundsätze bedürfen seiner Zustimmung (§ 94 Abs. 2 BetrVG). Ob der Keeper Test im Haus darunter fällt, ist im Einzelfall zu prüfen.
Die Einschätzung beruht auf dem Urteil einer einzelnen Führungskraft und kann subjektiv ausfallen; Bewertungen dürfen nicht an die im AGG genannten Gründe anknüpfen (§ 7 Abs. 1 AGG). Zudem kann der Test Unsicherheit im Team auslösen. Netflix räumt selbst ein, dass er abstrakt beängstigend klingen kann.
Primärquellen: Bundesgesetze. Die Verweise im Text beziehen sich auf diese Fassungen, Stand Oktober 2026.
KSchG § 1: Sozial ungerechtfertigte Kündigungen
Wartezeit, Kündigungsgründe und Beweislast des Arbeitgebers (Absätze 1 und 2).
Geltung des Ersten Abschnitts nach Betriebsgröße (Absatz 1).
BetrVG § 94: Personalfragebogen, Beurteilungsgrundsätze
Zustimmung des Betriebsrats zu allgemeinen Beurteilungsgrundsätzen (Absatz 2).
BetrVG § 102: Mitbestimmung bei Kündigungen
Anhörung des Betriebsrats vor Kündigungen und Fristen für seine Stellungnahme (Absätze 1 und 2).
AGG § 7: Benachteiligungsverbot
Benachteiligungsverbot für Beschäftigte (Absatz 1).
Die Beschreibung des Keeper Tests stützt sich auf das Culture Memo von Netflix (jobs.netflix.com/culture, abgerufen im Oktober 2026). Es ist eine Unternehmensquelle und keine amtliche Stelle und deshalb nicht verlinkt.
Dieser Beitrag ordnet ein. Die Qualifizierung von Führungskräften findet an anderer Stelle statt.
Der Lehrgang behandelt unter anderem Teamführung, Feedbackkultur und Konfliktmanagement.
Überblick über Seminare und Lehrgänge zu Führung und Kommunikation.
Ordnet Feedback aus der Perspektive des Einzelnen ein.
Ordnet das Format für transparente Kommunikation der Geschäftsleitung ein.

Achim Schulz ist der strategische Sparringspartner für Vorstände, Aufsichtsräte und Geschäftsleitungen, wenn es um haftungssichere Führung geht. Als Unternehmer mit jahrzehntelanger Praxis auf C-Level kennt er die Realität in den Boardrooms genau: Die regulatorischen Anforderungen durch AMLR, DORA oder KI-Governance sind heute so komplex, dass sie für Leitungsorgane ein massives persönliches Haftungsrisiko darstellen. Führende Entscheider vertrauen auf seine Expertise, um genau diesen Kontrollverlust zu vermeiden. Achim Schulz übersetzt komplexe Regularien in belastbare, aufsichtskonforme Führungsstrukturen. Er stattet das C-Level nicht mit theoretischen Floskeln aus, sondern mit der Architektur für wasserdichte Delegation und strategische Steuerung. Sein Ziel in der Beratung und im Seminar: Geschäftsleitungen die Souveränität und Prüfungssicherheit zu geben, die sie benötigen, um ihre Organisationen unangreifbar und erfolgreich durch den Wandel zu führen.
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